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Goldkerlchen (in der Halbwelt) erzählt von George aufgeschrieben von Ralf – G. Knuth 566 Seiten, Paperback € 16,70 * ISBN 978-3-00-28016-0 artonio edition postfach 502 13515 berlin
*zuzügl. € 2.- Versandkosten
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Leseprobe (für die Nutzung des Textes ist eine schriftliche Einwilligung des Autors erforderlich)
..... Am 23. September begann sich der Kühlschrank zu lichten. Es gab kein Toastbrot mehr, Säfte waren alle, ebenso die Milch. Das Knäckebrot reichte bis zum 24. September, dann mußte ich zu allen Mahlzeiten Nudeln essen. In Vorrat waren verschiedene Sorten, sodaß ich experimentieren konnte. Es gab gekochte Nudeln mit Ketchup, Bratnudeln und süße Bratnudeln mit Zucker. Doch auch der Nudelvorrat schmolz rasch dahin. In dieser Situaton hätte ich gern das Geld von Tin eingesetzt, aber es war fort. Wenn Madame (der Autor bezeichnet damit stets seine Mutter, Anmerkung des Internetredakteurs) abends kurz vorbeikam war sie bester Laune und versprach mir am Folgetag einzukaufen. Nein, Geld hätte sie momentan nicht, aber ich sollte mir keine Sorgen machen. Als ich am 26. September Schulschluß hatte, lief ich bis in die Altstadt, nur um festzustellen, ob Madame überhaupt noch ihren Job bei Woolworth hatte. Ja, sie arbeitete und war perfekter Laune. Sie war allerdings überrascht mich zu sehen. Ich murmelte, daß kein einziger Kugelschreiber mehr schreiben würde und sie faßte ins Warenangebot und gab mir einen. Dann erzählte sie, daß sie pünktlich nach Hause käme, weil es heute keine Hl. Messe in der Benitzkirche geben würde. In der Kaffeepause würde sie noch einkaufen. Nun, sie kam nicht nach Hause. Ich blieb lange auf. Ja, ich machte mir sogar Sorgen. Die Worte im Laden hatten so aufrichtig geklungen. Morgens verschlief ich fast. Wir hatten auch am Samstag Schule. Nur vier Stunden, aber doch schöne Fächer. Kunst und Englisch. Nach den Ferien hatten wir in einem anderen Raum Englisch-unterricht, so änderte sich die Sitzordnung. Außerdem waren einige Schüler in andere Leistungskurse gekommen. Mein Kurs nannte sich jetzt F + E Kurs, den weiterhin Christopher Rogersen leitete, der immernoch seine zwei selbstgestrickten Pullover, die ausleiterten Cordsamthosen trug und lange blonde strählige Haare hatte. Mausi sah ich nur in Physik, doch da vermied er es lange mit mir zu sprechen. Ihm schien die Sache mit Piffi immernoch nachzugehen. Ich hatte es ganz gut getroffen, ich saß zufälligerweise neben meinem anderen Idol, Fußball-Frank. An dem Morgen nun saß Frank auf dem Tisch, als ich herkam. »Du siehst so blaß aus, geht’s dir nich' gut?« »Doch, ich habe bloß nicht gefrühstückt. Außerdem hätte es zu lange gedauert.« Er sah mich interessiert aus seinen blauen Augen an. »Frühstück macht mir immer mein Vater.« »Bei mir war keiner da zum Frühstück machen, außerdem sind sowieso nur Nudeln im Haus.« »Haste denn kein Geld?« Na der war aber neugierig, oder wollte er mir welches schenken? »Möchtest du dir Geld verdienen? Und Essen gibt es auch.« Damit lud er mich zu sich ein. Auf den Unterricht konnte ich mich nicht konzentrieren, ich mußte an die Party denken, auf der Fußball-Frank mit Ravent getanzt hatte. Anderseits machte Frank auch bestimmten Mädchen schöne Augen. Und viele Mädchen natürlich ihm. So war ich mächtig stolz mit ihm gemeinsam das Schulgebäude zu verlassen. Draußen blieb er stehen, suchte nach Kleingeld und betrat die Telefonzelle neben dem Schulgrund-stück. Nur einen Augenblick später kam er wieder heraus. »Ich habe nur meinem Vater Bescheid gesagt, wegen dem Essen.« »Wieso sprichst du eigentlich immer von deinem Vater und nie von deiner Mutter?« »Die hat einen Modeladen und die ist wenig da.« Der Vater, das wußte ich, war bei einer bekannten Tageszeitung als Sportreporter beschäftigt. Scheinbar ermöglichte ihm das eine freie Zeiteinteilung. Es war schönes Wetter und wir liefen zu Frank nach Hause. Er wohnte in der Nähe von Frank Steinmann und ich begann über diesen zu sprechen. »Der Frank heißt nicht Steinmann. Der hat einen ausländischen Namen. Die haben auch einen Draht zu den Allierten. Die Leute nennen seinen Vormund immer den Generalkonsul. Er soll ein großes Haus in Marbella haben.« »Und woher weißt du davon?« »Weil mein Vater in solchen Kreisen verkehrt. Der kennt den Generalkonsul persönlich. Also mir tut der Frank ja echt leid.« Ich blieb verwirrt stehen. »Der ist arrogant und alles.« »Die benutzen den, sagt mein Vater«, erklärte Frank. »Und was meint er damit?« Frank rang genervt die Hände: »Hör mal, vergiß den Steinmann. Ok?« Damit trotteten wir beide nebeneinander her zu den großen Neubauwohnblock, indem Franks Eltern eine 4-Zimmer-Wohnung bewohnten. Frank schloß die Wohnungstür auf und ein Mann kam fröhlich auf ihn zu. Er sah genauso aus wie Frank und trug nur kurze Shorts. Er nahm seinen Sohn in den Arm und drückte ihn. Dann, ohne Frank loszulassen, begrüßte er mich freundlich. »Schön, daß du mitgekommen bist.« Frank löste sich aus dem Arm seines Vaters. »Ich habe ihm noch nichts gesagt.« Zu meiner Überraschung lachte der Vater und stellte mir dann einen jungen Araber vor, der im Korridor stand und der nur ein blaues Handtuch um die Hüften trug. »Das ist Michael, Franks Cousin«, erklärte der Vater. Ich reichte Michael die Hand. Diese Familie mußte eine weitgereiste Verwandtschaft haben. - Erst später habe ich erfahren, daß die Wiege von dem vermeindlichen Araber in Hildesheim gestanden hatte. Schaute man sich Vaters zerstubbeltes Haar an und den ziemlich nackten Michael, konnte man auf einen simplen Gedanken kommen, den ich aber schnell wieder verwarf. Michael hielt ich für 15 oder 16. Frank deckte den Tisch und Franks Vater machte sich in der Küche zu schaffen. Er freute sich, als ich meine Hilfe anbot. Es gab Truthahn mit Gemüse und Kartoffelklößen. »Willst du viel oder wenig?« »Wenig, ich habe heute noch nichts gegessen.« Er sah mich entsetzt an. »Aber du mußt morgens was essen.« Das Essen roch perfekt und der Vater garnierte die Speisen bevor ich die Teller auf einem Servierwagen zur Esstheke rollen durfte. Das Essen schmeckte perfekt und zum Abschluß gab es noch einen Eis-Früchte-Salat. Danach waren Frank und sein Vater kurz in der Küche und sprachen miteinander. Anschließend wandte er sich an mich. »Du hast nichts zu Essen zu Hause?«, wollte der Vater wissen. Ich nickte. »Ich würde ja was kaufen, aber ich kriege kein Taschengeld. Aber Frank hat gesagt ich könnte mir Geld verdienen.« Der Vater schüttelte den Kopf. »Nein, das kommt nicht in Frage. Damit ging er hinüber zu einem sehr vollen Schreibtisch und kam mit ein paar 10-Mark-Scheinen zurück, die er mir gab.« Ich lehnte ab, der Mann hatte mich bewirtet, jetzt kam ich mir unverschämt vor noch Geld anzunehmen. »Wenn ich was tun würde...«, stammelte ich. »Ich meine du hast mich doch deswegen mitgebracht, Frank. »Hast du eine Ahnung warum Frank immer mal wieder Jungs aus seiner Klasse mitbringt.« »Weil er auf sie steht.« Michael schlug auf den Tisch und lachte, laut und schrill. »Komm mal mit in die Küche«, meinte der Vater zu mir. »Da kannst du mir jetzt helfen.« Ich hatte nun einen größeren Abwasch erwartet, aber der Vater räumte die Sachen nur in eine Spülmaschine. Er schloß die Tür, als er mit mir sprach. »Frank steht nicht auf die Boys.« »Michael...« »Habe ich fotografiert. Ein Freund von mir kauft solche Bilder.« »Mich dürfen sie auch fotografieren«, lachte ich. Aber der Vater lachte nicht. »Du bist kein Exot,« sagte er ernst. »Aber was meinte Frank dann...« Und ich unterbrach mich selbst, denn mir wurde schlagartig klar, was Frank machte. Er besorgte für seinen Vater Jungs, das hier war ein Stricherjob. |
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